Die ArbeiterInnen, die sich seit nun mehr als zwei Monaten im Abdi Ipekci Park in Ankara im Streik befinden, finden immer mehr Unterstützung vonseiten des Volkes. Sie streiken gegen Massenentlassungen, gegen die Privatisierung und für ihre Grundrechte. Die Bevölkerung in Ankara hat ihnen die Türen ihrer Wohnungen geöffnet und unterstützt sie mit Nahrungsmitteln. Ärzte, Friseure und weitere helfen ihnen bezüglich ihrer beruflichen Spezialisierung. Täglich erhalten sie Besuch vonseiten der Bevölkerung, die somit ihren Kampf unterstützen. Die Gewerkschaften haben für den 3. Februar einen Generalstreik angekündigt.
Der Widerstand der TEKEL- ArbeiterInnen ist für die Arbeiterklasse eine große Lehre. Der Widerstand ist gleichzeitig auch eine schöne Antwort der Brüderlichkeit der Völker untereinander auf die Politik der türkischen Regierung, die sie seit Jahren verfolgt. Seit Jahren praktiziert die türkische Regierung eine Politik der Verleumdung, Vernichtung und die berühmte „spalte, teile und herrsche“ Politik. Auf der einen Seite tanzen die Las ihren traditionellen Tanz, auf der anderen Seite stimmen sich die Kurden ein. Die Aussage eines TEKEL Arbeiters, beschreibt das Ergebnis dieses Widerstands sehr deutlich: „Zuvor hegten wir für die Jugendlichen, SchülerInnen und StudentInnen, die demonstrierten, Vorurteile, sie waren Linke, Kommunisten. Aber unsere Gedanken haben sich geändert, als wir sahen, dass die SchülerInnen und StudentInnen ihre Taschengelder ausgeben, um uns Tee zu kaufen, und dass sie bis ins Morgengrauen mit uns in dieser Kälte streiken. Wenn ich kein TEKEL- Arbeiter wäre, würde ich trotzdem aus Solidarität hierher kommen? Ich glaube nicht. Aber diese Jugendlichen teilen in dieser Kälte ihr Brot mit uns. Ich bin in meiner Herkunftsstadt gleichzeitig AKP- Funktionär gewesen. Aber jetzt unterstütze ich die AKP auf keinen Fall mehr. Ich war ein Rechter, nun bin ich Linker. Ich hab täglich fünf Mal gebetet, jetzt bin ich täglich fünf Mal Kommunist.“
Und die Frauen in diesem Widerstand... Sie haben ihre Ketten zerrissen, die ihnen durch gesellschaftliche Rollen angelegt wurden. Die Frauen, die niemanden für ihre Kinder finden konnten, haben sich nicht zurückgezogen, sondern ganz im Gegenteil- sie nehmen in diesem Widerstand ihren Platz in den vordersten Reihen ein, und zwar mit ihren Kindern, mir ihren Babys- dem Winter zum Trotz, der eisigen Kälte zum Trotz. Sie rufen alle gemeinsam: „Vielleicht werden wir sterben, aber nicht von unserem Kampf absehen!“. Einige von ihnen können ihre Kinder seit zwei Monaten schon nicht mehr sehen, obwohl sie immer der Meinung gewesen sind, sich nie von ihnen trennen zu können. Die Frauen, von denen wir gewohnt sind, sie in der Küche, mit Putzmitteln zu sehen, schreiben jetzt Geschichte.
Dieser Widerstand, der den Mut, der Arbeiterklasse steigert, erhöht auch gleichzeitig die Angst der Herrschenden. Um die „Widerstandszelte“ so schnell wie möglich weg zu kriegen, ließen Regierungsleute mitteilen, bereits nach „Lösungen“ zu suchen. Doch diese Situation ist nichts anderes, als die TEKEL- ArbeiterInnen zu irritieren und ihren Widerstand zu brechen. Der Wirtschaftsminister gab bekannt, nach einigen Alternativen geschaut, und dabei auch den ArbeiterInnen einige Rechte einzuräumen und finanzielle Besserungen gefunden zu haben. Der Ministerpräsident deklarierte, dass es nicht möglich sei, die 4C- Reform zurückzunehmen, aber es ließe sich über einige Änderungen reden. Doch noch eine Woche vor diesen Aussagen, spuckten sie ganz andere Töne. Der Innenminister sagte, sie hätten die TEKEL- ArbeiterInnen viel zu gut behandelt. Die Regierung in Ankara gab bekannt, dass die LädenbesitzerInnen in der Nähe des Zeltlagers sich vom „Gestank“ der ArbeiterInnen gestört fühlten. Der Innenminister verkündete, dass die Zeit, in der man durch das „Nichtstun“ Geld verdient hätte, vorbei sei.
WIR ALLE SIND TEKEL- ARBEITERINNEN, ÜBERALL IST TEKEL!
Heute ist die Arbeitslosigkeit, die Armut und der Sozialabbau auch in Europa stark am Zunehmen. Das ist ein Zeichen dafür, dass Streiks in Form der TEKEL- ArbeiterInnen nicht in entfernter Zukunft liegen.
Wir als die Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich (ATIGF), Neue Demokratische Frau und YDG (Neue demokratische Jugend) solidarisieren uns mit den TEKEL- ArbeiterInnen und rufen die Medien, fortschrittliche Menschen und Organisationen auf, sich ebenfalls mit den TEKEL- ArbeiterInnen in der Türkei und Türkei- Kurdistan zu solidarisieren.
Es ist der Tag, an dem sich die Arbeiterklasse vereinen muss, gegen jegliche Rassen-, Sprachen- und Religionsunterschiede kämpfend!
Es ist der Tag der Befreiung!...
Es ist der Tag, an dem wir zusammen „Wir sind alle TEKEL- ArbeiterInnen, überall ist TEKEL!“ rufend die Stimmen der TEKEL- ArbeiterInnen in Europa sein, und uns als Arbeiterklasse vereinen müssen!
Der Widerstand der TEKEL- ArbeiterInnen sei gegrüßt!
Lang lebe der internationale Kampf der Arbeiterklasse!
Hoch die internationale Solidarität!