Jugendliche sind vom Bildungsabbau ebenso betroffen wie von den rauer werdenden Verhältnissen in der Arbeitswelt. Werden schulische und universitäre Bildung immer stärker an den unmittelbaren Verwertungsbedingungen des Kapitals ausgerichtet, so ist es für viele Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen, überhaupt nicht möglich, einen Einstieg in das Berufsleben zu finden.
Durch die hohe Spezialisierung vieler Produktionsbetriebe ist die Qualität der Berufsausbildung stark gesunken, da die Lehrlinge dadurch kaum die Möglichkeit haben, die gesamte fachliche Bandbreite eines Berufes in der Praxis zu erlernen. Die Berufsschulen sind nicht in der Lage, dies auszugleichen.
Gerade im Handel, in Dienstleistungsbetrieben, im Tourismus und der Gastronomie – wo viele der von der Regierung bejubelten neuen Lehrstellen geschaffen wurden, werden Lehrlinge oft nur als billige Hilfsarbeitskräfte angesehen oder aber in neu geschaffenen Teilberufen wie etwa „Systemgastronomie“ ausgebildet, die ihnen nur sehr eingeschränkte Berufsaussichten bieten. Zugleich ist es gängige Praxis geworden, dass die Unternehmer Lehrlinge nur mehr ausbilden, wenn die öffentliche Hand dafür bezahlt.
Die Regierung Gusenbauer hat eine gravierende Verschlechterung in der Berufsausbildung eingeführt: Lehrverhältnisse können nun über die Probezeit hinaus seitens des Betriebes jederzeit gelöst werden.
Die Misere der Jugendarbeitslosigkeit tritt gerade jetzt in der Krise wieder verschärft zutage und kann nicht durch schöne Politikerreden wegdiskutiert werden. Die Gesellschaft hat die Pflicht, allen Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung zu ermöglichen!
Wir fordern:
- Die Wiedereinführung des bisherigen Kündigungsschutzes für die Dauer des gesamten Lehrverhältnissen und darüber hinaus.
- Die stärkere Überwachung der Einhaltung des Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetzes sowie auch der Einhaltung des Berufsbildes durch den Betrieb. Lehrlinge sind keine Arbeitssklaven!
- Die vermehrte Zusammenfassung der Lehrberufe in Grund- und Flächenberufe und die Schaffung von zwischen- und überbetrieblichen Lehrwerkstätten, Bauhöfen und dergleichen, um betriebliche Defizite in der Ausbildung auszugleichen.
- Die Schaffung eines Berufsausbildungsfonds, in den alle Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, 2% der Bruttowertschöpfung des Betriebes einzahlen, und aus dem überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen ebenso finanziert werden wie die Verbesserung der Ausstattung und des Ausbildungsangebotes der Berufsschulen.
- Die Erhöhung der Chancen auf Weiterqualifizierung nach der Lehre – durch Verbesserung der Allgemeinbildung, der Fremdsprachenkenntnisse und auch der fachspezifischen Ausbildung.
- Langfristig sehen wir die Notwendigkeit, das duale Ausbildungssystem zu überwinden und durch ein neues Gesamt-Bildungssystem zu ersetzen, das – vom Volksschulalter bis über die Schulpflicht hinaus – allen Kindern und Jugendlichen eine solide Allgemeinbildung, die auf gleichen Chancen für alle beruht, vermittelt und zugleich in die Berufsausbildung überführt.